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Unser Heldinnenbuch des Monats

(Werbung; Rezensionsexemplar)

Von einer, die auszog und einen Menschenfresser zähmte

Tomi Ungerer: Zeraldas Riese - Diogenes Verlag, 18 €, empfohlenes Alter 5 – 7 Jahre

Anlässlich der traurigen Nachricht von Tomi Ungerers Tod habe ich einen seinen Klassiker hervorgeholt, den ich Euch hier vorstellen und ans Herz legen möchte: Zeraldas Riese.

Das Cover lässt einen stutzen: Ein gemein aussehender Mann, der die Zähne bleckt und ein Messer in der Hand hält, auf dessen Schoß aber ein blondes Mädchen sitzt, das ihn treuherzig anlächelt. Das lässt immerhin ahnen, dass es vielleicht doch kein ganz böses Ende nimmt, auch wenn das Buch mit echtem Nervenkitzel beginnt: „Es war einmal ein einsamer Menschenfresser“, so beginnt die erste Seite. Und so endet sie: „Am allerliebsten auf der Welt aß er kleine Kinder zum Frühstück.“ Dazu ein Bild, auf dem der Menschenfresser den Leser direkt anfunkelt, ein blutiges Messer in der Hand über einen Käfig gebeugt, dessen Gitterstäbe von innen zwei kleine Händchen umklammern.

Ein Kinderbuch? Kein gewöhnliches, sanftes, pastelliges, so viel steht fest. Vielmehr eins zum behaglichen Gruseln und Mut machen. Meiner vierjährigen Tochter war der Menschenfresser am Anfang ganz schön unheimlich. Aber sie wollte auch wissen, was es mit ihm denn nun auf sich hat.

Er hat ein Problem: Er hat nämlich so viele Kinder gefressen, dass die wenigen, die noch übrig sind, inzwischen sorgfältig versteckt werden. Er fristet ein trauriges Dasein bei Kohl, Kartoffeln und Haferschleim und kriegt immer schlechtere Laune. Als er der sechsjährigen Zeralda begegnet, die auf ihrem abgelegenen Hof noch nie vom Menschenfresser gehört hat und an Stelle ihres kranken Vaters zum Markt fahren muss, ist er so hungrig und ungeduldig, dass er bei seinem Überfall auf sie vor lauter Hast stolpert und verunglückt.

Die mitfühlende und mutige Zeralda kümmert sich um ihn, und als er sie anknurrt, er habe ja so einen Hunger (auf sie natürlich), kocht sie ihm kurzerhand ein erlesenes Menü aus ihren Marktwaren. Denn zufällig ist Zeralda schon mit ihren sechs Jahren eine begnadete Hobbyköchin. Der Menschenfresser kommt auf den Geschmack und engagiert Zeralda vom Fleck weg als Köchin für sein Schloss. Sie zieht zu ihm, holt ihren Vater nach und fortan zaubert sie immer ausgefallenere Kreationen für den Menschenfresser und seine gruseligen Freunde.

Hier sieht man den Menschenfresser im Buch nun zum ersten Mal lächeln und die Illustrationen der Speisen sind ein wahrer Augenschmaus. Am wichtigsten ist jedoch, dass nun auf jeder Seite die glückliche, eifrig kochende, bratende und backende Zeralda im Zentrum steht, die durch ihr Können und ihren Mut das Leben aller Menschen in der Umgebung zum Guten verändert.

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