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Mädchen und MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)

Rückblickend denke ich, dass ich wahrscheinlich nur aus Zufall Diplom Ingenieurin geworden bin. Ich interessierte mich für die Umwelt, aber auch für Design und Kunst. Da ich nach dem Abitur noch keinen „10 Jahre Lebensplan“ aufgestellt hatte, studierte ich Landschaftsarchitektur. An meiner FH hieß es damals immer, Landschaftsarchitektur ist der einzige Ingenieursstudiengang ohne Mathe. Da haben meine Kommilitoninnen und ich immer gern drüber gelacht und uns gefreut…Jetzt, wo ich jeden Monat ein viel geringeres Gehalt erhalte als in einem anderen Ingenieursberuf, finde ich es irgendwie gar nicht mehr so lustig.

Aber woher kommt diese Abneigung gegen Mathe, die sich während der Schullaufbahn scheinbar besonders beim weiblichen Geschlecht manifestiert? Warum wählen nur wenige Frauen Ausbildungen und Studiengänge (2016 lag der Frauenanteil bei 12% in MINT Ausbildungen und 28% in MINT Studiengängen) in den MINT-Berufen? Und warum verpassen wir somit die Chance in den besser bezahlten Jobs zu arbeiten?

Eine aktuelle amerikanische Studie besagt, dass amerikanische Mädchen schon im Alter von sechs Jahren ihr eigenes Geschlecht als weniger intelligent erachten als Jungen. Sie verzichten deshalb auf bestimmte Aktivitäten. Die Forschungen der Autoren deuten darauf hin, dass Kinder frühzeitig klassische Geschlechter Stereotypen wie „Mädchen sind weniger schlau als Jungs” aufnehmen.

Das kann man nicht mit Kindern aus Europa vergleichen? Tja, wie sieht es denn eigentlich in Deutschland aus? Der erste OECD-Bildungsbericht mit Fokus auf den Geschlechtern, stellt fest, dass Deutschland das größte Geschlechtergefälle in der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) aufweist, wenn Mädchen und Jungen ihre Einstellung der Mathematik und der Naturwissenschaften gegenüber angeben. Mädchen stimmen demnach eher der Aussage zu: “Ich bin einfach nicht gut in Mathe”. Dabei schneiden sie im PISA-Test genauso erfolgreich ab wie ihre männlichen Klassenkameraden. Kaum verwunderlich also, dass der Bericht auch feststellt, dass der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in kaum einem OECD-Land so groß ist wie in Deutschland.

Die Microsoft-Studie „The When & Why of STEM Gender Gap“ ist hierzu auch sehr lesenswert. Demnach ist das Interesse an MINT Fächern bei Mädchen im Alter von ca. 11 Jahren am Stärksten. Aber bereits mit 16 Jahren nimmt es wieder rasant ab. Fehlende weibliche Vorbilder, Erklärungen aus der „Jungs“ Perspektive und weniger praktische Erfahrungen führen u. a. laut der Studie zu diesem Interessensverlust. Laut des Softwarekonzerns würden Mädchen in deutschen Schulen und Elternhäusern weniger gefördert als in vielen anderen Ländern Europas.

Es scheint also doch noch ein längerer Weg bis Deutschland nicht nur das Land der Ingenieure, sondern auch das Land der Ingenieurinnen ist!

Für mich steht fest, dass ich meinen Töchtern die Möglichkeit geben möchte, viele praktische Erfahrungen im MINT Bereich zu machen. Dies kann meines Erachtens durch entsprechendes Spielzeug oder auch durch die Teilnahme an entsprechenden Freizeitangeboten geschehen. Außerdem werde ich mich bemühen, dass sie Frauen in MINT Berufen kennenlernen und durch die „Heldin des Monats“ sehen, dass es auch weibliche Vorbilder in diesen Berufsfeldern gibt. Ob sie dann wirklich in Zukunft in diesem Bereich arbeiten ist zweitrangig. Zumindest habe ich ihnen die Fähigkeit nicht aufgrund ihres Geschlechts abgesprochen.

Ein Gedanke zu „Mädchen und MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik)

  1. Das Phänomen eines Lehrers, der uns Mädchen die Fähigkeiten für sein Fach absprach, hatte ich so nur in Physik, doch trotz weiblichen Lehrpersonals gab es auch genug Vertreter bei uns, die Mathe nicht sonderlich viel abgewinnen konnten.
    In der Sek1 hatte meine Klasse 3 verschiedene Lehrerinnen in dem Fach. Die erste war für meinen Geschmack viel zu „lahm“ und zeigte auch so eher weniger Begeisterung für das Fach, sodass meine Aufzeichnungen eher einem Malbuch glichen. Die zweite Lehrerin fand ich super, sie nahm sich Zeit zum Erklären und war mit Begeisterung dabei. Leider fiel sie aus gesundheitlichen Gründen dann aus, sodass wir noch eine dritte Dame aus dem Lehrpersonal kennenlernen durften. Sie rannte regelrecht durch den Stoff, und wenn ich meinen umsitzenden Klassenkameraden etwas erklärte, weil sie es eben noch nicht verstanden hatten, wurde ich angemahnt, warum ich nicht ihrem Unterricht folgte. Das war irgendwie nicht sonderlich hilfreich und hat mich auch zuweilen richtig wütend gemacht.
    Ich denke, es ist wichtig, von Anfang an den Spaß im Umgang mit Zahlen zu vermitteln. Ich bin sehr gespannt, wie es unserer Tochter da irgendwann ergehen wird, doch bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen. 🙂

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